Interview mit Hermann Meyer

Anita G. Schwarzenberg:
Herr Meyer, Sie sind seit über 30 Jahren als Partnerschafts-und Schicksalsforscher tätig. Ihr Motto lautet: Vom Schicksalsempfänger zum Gestalter des eigenen Schicksals. Sie haben eine beachtliche Anzahl an Büchern geschrieben – u.a. den Bestseller

>Jeder bekommt den Partner, den er verdient.<

Anita G. Schwarzenberg.:
Was kann ein Partnersuchender nun tun, um den Partner zu finden, mit dem er die besten Chancen auf eine liebevolle, intakte und dauerhafte Partnerschaft hat, in der beide miteinander und aneinander wachsen bzw. wo sollte er beginnen?

Hermann Meyer:
Beginnen sollte er mit Selbstreflexion. Das bedeutet, ehrlich zu sich selbst zu sein:

„Wo liegen meine Stärken und wo meine Schwächen?“

Der zweite Punkt ist, dass er sich fragt: „Wie kann ich meine Stärken ausbauen und meine Schwächen reduzieren oder sie vielleicht sogar in Stärken verwandeln?“ Das gilt für die Frau insbesondere für ihre weiblichen Anlagen und für den Mann für seine männlichen Anlagen.
Denn trotz aller Mainstreams macht letztendlich das andere Geschlecht in seiner spezifischen Ausformung die Anziehung aus.

Anita G. Schwarzenberg:
Was kann ein moderner Single heute von einer Partnerschaft erwarten? Hat sich da in den letzten Jahren etwas verändert?

Hermann Meyer:
Als Single besteht immer die Gefahr, nach einer gewissen Zeit zum Eigenbrötler zu werden, weil ohne Gegenüber kein Spiegel da ist und damit keine Korrektur stattfindet.
Oft fällt beim ersten Rendezvous der potenzielle Partner durch’s eigene Raster. Viele suchen eigentlich nach einem Klon von sich selbst - nur im anderen Geschlecht.
Durch den Partnerschaftswandel ist es vor allem für die Männer schwieriger geworden. Er soll, wie früher, Karriere machen und sich daheim um die Kinder und Haushalt etc. kümmern.
Wenn er in der Woche 60 Std. eingespannt ist, stößt er an seine Grenzen, weil er schlicht ausgepowert ist. Mit zusätzlichen neuen Aufgaben wird es schwierig.

Anita G. Schwarzenberg:
Wie ist Ihr Patentrezept, damit es dennoch funktioniert z.B. wenn ein Kind kommt?

Hermann Meyer:
Da muss ein gemeinsamer Plan erarbeitet werden - ein Konzept, mit dem beide einverstanden sind. Gegenseitige Erwartungshaltungen bringen nur Dissonanzen und Frustrationen. So kann sich evtl. nach der Geburt eines Kindes die Mutter für eine gewisse Zeit beruflich etwas zurücknehmen oder man engagiert eine Hausangestellte bzw. ein Au-Pair-Mädchen. Wichtig ist hier eine faire Regelung und wenn die Vereinbarung durch irgendwelche Umstände nicht mehr stimmt, muss eine Reform durchgeführt werden.
Wenn sich die Rahmenbedingungen verändern, müssen sich auch die Regeln ändern.

Anita G. Schwarzenberg:
Auf welche Dinge sollte Mann/Frau beim 1. Date achten und warum?

Hermann Meyer:
Es ist wichtig, dass eine Frau weiß, was eine männerfreundliche und eine männerfeindliche Kleidung ist. Wenn sie ihrem Geschmack Ausdruck verleiht, sollte sie auch einen Hauch von Erotik mitschwingen lassen und sie sollte bereit sein, sich auf die jeweilige Welt des Mannes einzulassen.

Für den Mann gilt: Korrekte Kleidung, gute Umgangsformen und bereit sein, sich der jeweiligen Welt der Frau zu öffnen.

Ein Kapitalfehler ist es, mit vorgefertigten Mustern in die Begegnung zu gehen und den Partner dann danach zu bewerten. Oder wenn z.B. einer ununterbrochen redet. Da fühlt der Andere sich nicht wohl, weil nur eine Selbstdarstellung stattfindet. Eine ausgeglichene Kommunikation hingegen lässt eine gute Stimmung entstehen, die zu einem Gelingen des ersten Rendezvous beiträgt.

Anita G. Schwarzenberg:
Frage 3: Was gehört Ihrer Meinung nach unbedingt in eine Partnerschaft, die dauerhaft gelingen und für beide interessant bleiben soll?

Hermann Meyer:
Das sind 3 Punkte:

1. Zärtlichkeit, Kuscheln und Sexualität stellen die Basis einer jeden Beziehung  
    dar. Besonders wichtig ist es, zu wissen, dass in jedem Mann auch der kleine
    Junge und in jeder Frau auch das kleine Mädchen wohnt. Wenn dieses Kind
    im Anderen angenommen, liebkost, umarmt und liebevoll gedrückt wird,
    entsteht eine echte Intimität und Vertrautheit.

2. Gesunder Ausgleich zwischen Nähe und Distanz. Es ist ein Trugschluss, dass
    man nur richtig zusammenwachsen kann, wenn man alle Zeit gemeinsam
    verbringt.

3. Jeder braucht ein eigenes Revier  – ein eigenes Zimmer – aber auch
    gemeinschaftliche Räume mit dem Partner. Für Jeden sollte eine
    Rückzugsmöglichkeit vorhanden sein.  Eine gute Partnerschaft ist sozusagen
    eine Synthese aus Kapitalismus (eigener Besitz) und Kommunismus
    (gemeinsamer Besitz).

Entscheidend ist, dass man als Paar zusammen stärker ist als als Einzelwesen.

Anita G. Schwarzenberg:
Frage 4: Was halten Sie noch für unbedingt wichtig?

Hermann Meyer:
Es gibt ein Geheimrezept für eine gute Partnerschaft: Jeder der beiden trägt dafür Sorge, dass es ihm und dem Partner gut geht. Wenn also gleich zwei Personen dafür Sorge tragen, dass es einem gut geht, muss es den beiden ja gut gehen.

Anita G. Schwarzenberg:
Band 2 Ihres genannten Bestsellers hat den Untertitel „Der Beziehungsführerschein“. Gibt es eigentlich einen Partnerschafts- oder auch Kennenlern-Führerschein in Kurzformat?

Hermann Meyer:
Ja. Ich biete regelmäßig Samstags in München einen Crashkurs an. Das ist der Beziehungsführerschein in komprimierter Form. Und wer da noch etwas tiefer einsteigen möchte, kann den Sonntag noch anhängen. (s. http://www.partnership-academy.com/)

Anita G. Schwarzenberg:
Ganz herzlichen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben, um meine Fragen zu beantworten. Ein letztes Wort von Ihnen?

Hermann Meyer:
Ja, gern. Eine Krankheit unserer Zeit ist es, das sich Jeder für den Tollsten hält. Dadurch schließt der Betreffende jegliche Weiterentwicklung und Bewusstwerdung aus. Er beraubt sich also selbst vieler guter Möglichkeiten. Früher unterschätzten sich die Menschen aufgrund der damals vorherrschenden autoritären Erziehung – heute überschätzen sich die meisten. Wenn man letzteres tut, ist dies oft damit verbunden, dass man andere entwertet.
Wenn z.B. ein Mann beim Thema „Hobbies“ Eishockey angibt, kann er u.U. schon am Gesicht seiner potenziellen Partnerin ablesen, wie sie die Jalousien runter lässt. Aufgrund dessen kann sie dann gar nicht mehr wahrnehmen, welche schönen Möglichkeiten sich mit diesem Mann mit seinen spezifischen Stärken eröffnet hätten. In einem solchen Fall handelt es sich also um einen sog. entgangenen Gewinn.

Anita G. Schwarzenberg:
Lieber Herr Meyer, noch einmal ganz herzlichen Dank und weiterhin viel Erfolg.