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Der erste Eindruck entscheidet

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Der erste Eindruck entscheidet darüber, wie wir uns dieser Person gegenüber verhalten – aufgeschlossen oder distanziert. Erste Eindrücke können dabei fatale Folgen haben. Die Erstinformationen, die wir uns in Windeseile zurechtlegen, sind oftmals nachhaltiger, als alle folgenden Impressionen. Nicholas Rule vom psychologischen Lehrstuhl der Universität in Toronto bestätigte 2012, dass wir um den ersten Eindruck nicht herumkommen und sich dieser oft bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag hält. Rule wies nach, dass ein positiver erster Eindruck auch durch eine ganze Tonne negativer Zuschreibungen nicht mehr gekippt werden kann. Rules Formulierung der „Faktenresistenz“ ist in diesem Zusammenhang absolut treffend gewählt.

Wer jedoch glaubt, einen anderen Menschen bereits nach einem kurzen Blick richtig einzuschätzen, könnte in den meisten Fällen nicht falscher liegen. Dennoch ist es gängiger Usus. „Ein wirklich unvoreingenommenes Urteil kann man nur über Dinge abgeben, die einen nicht interessieren, und das ist zweifellos der Grund, dass unvoreingenommene Urteile immer wertlos sind“, wie es Oscar Wilde schon Ende des 19. Jahrhunderts formulierte.

Die Sozialpsychologin Heidi Grant Halvorson erklärt in ihrem Buch „No One Understands You and What You Can Do About It“ die beiden fatalen Fehlschlüsse des ersten Eindrucks… dass andere uns ohne Vorurteile wahrnehmen und, dass andere uns so sehen, wie wir uns selbst sehen. Wir werden immer irgendwie beurteilt, denn man kann im direkten Kontakt mit anderen niemals nicht kommunizieren. Auch mit Informationen, die uns zu einer Person bekannt sind, bevor wir sie zum ersten Mal treffen, funktioniert dies sehr gut. Wird uns erzählt, dass jemand besonders intelligent ist, werden wir im ersten face-to-face-Kontakt explizit darauf achten und vermutlich Dinge an der Person finden, die diese These stützen. Aspekte, die dabei nicht in unser Vorurteil passen, werden zu gern heruntergespielt oder erst gar nicht bemerkt, wie Halvorson ausführt. Wir nehmen nur das wahr, was wir in einem anderen Menschen sehen wollen.

Der Lichthofeffekt (auch als Halo-Effekt bekannt) ist dabei das Beste was uns passieren kann. Er beschönigt das Bild, welches sich andere von uns machen. Wirkt jemand besonders clever oder humorvoll auf uns, schreiben wir ihm/ihr nur zu gern Attribute wie Ehrlichkeit, Kompetenz, Treue oder Freundlichkeit zu. Auch hier ist entscheidend, wie unser eigenes Auftreten bei unserem Gegenüber ankommt. Was der eine als kompetente Entschlossenheit definiert, kann auf andere Menschen schon überheblich oder sogar arrogant wirken. Dies hängt davon ab, welche Erfahrungen diese Person bereits mit ähnlichen Persönlichkeitsmustern ihrer Umwelt gesammelt hat. Positive aber auch negative Vorurteile können sich somit ein Leben lang ungeprüft halten. Der französische Philosoph Voltaire hatte vielleicht Recht und „Vorurteile sind [tatsächlich] die Vernunft der Narren“.

Warum kommt es zu diesen Pauschalisierungen? Ganz einfach: Wenn wir auf sie verzichten würden, bräuchten Menschen viel mehr Zeit, um sich ein wechselseitiges Bild voneinander zu schaffen. Stereotypen-Denken hingegen sortiert unsere Gegenüber zügig in ein bekanntes Raster ein, welches mit konkreten Handlungsempfehlungen für uns verknüpft ist. Nietzsche verkürzte diesen Punkt pragmatisch, indem er konstatierte, dass alle Vorurteile aus den Eingeweiden kämen und schon jedes Wort bereits ein Vorurteil sei. Es sind also Bauchgefühle und nicht mehr. Wenn wir andere Leute treffen, suchen wir diese Vorurteile und schaffen uns, anhand dieser zweifelhaften Basis, eine Meinung. Die Bandbreite phänotypischer Bestimmungsmerkmale ist gigantisch. Ein und dieselbe Person kann gleichzeitig Adjektive wie dynamisch-eloquent oder schmierig-unseriös (bzw. aalglatt) erfüllen. Das hängt stets vom Betrachter ab. Oftmals spielen frühere Erfahrungen mit ähnlichen Menschen eine entscheidende Rolle. Zumindest unterstellen wir diese Ähnlichkeiten. Oder wie Georg Christoph Lichtenberg sagte: „Gesetzt dem Fall, wir würden morgen aufwachen und feststellen, dass alle Menschen die gleiche Hautfarbe und den gleichen Glauben haben, wir hätten garantiert bis Mittag neue Vorurteile“.

Heidi Grant Halvorson erläutert, dass dies nicht nur über das Aussehen, sondern sogar durch ein einziges Wort geschehen kann – „Hallo“. Der schottische Psychologe Phil McAleer erbrachte 2014 einen erstaunlichen Beweis: Er ließ die „Hallos“ von 64 Männern und Frauen aufzeichnen und fragte im Anschluss 320 Probanden seiner Studienreihe, wie sie die Begrüßungen jeweils interpretierten. Anhand dieses einen Wortes sollten die Studienteilnehmer Aussagen zum Vertrauen in die Stimme machen und zudem bewerten, wie sie sich den Charakter hinter dem Wort vorstellten. McAleers Ergebnisse zeichneten ein eindeutiges Bild davon, welche Stimmen überwiegend als positiv oder eben negativ aufgefasst wurden. Er kombinierte die Umwelttheorie in seine Erkenntnisse und konstatierte, dass Erfahrungen mit anderen Mitmenschen über die Generationengrenzen hinaus bestehen bleiben, da wir grundsätzlich vergleichbare Erfahrungen mit freundlichen/unfreundlichen, kompetenten/unerfahrenen, dominanten/devoten Charakteren machen. Unser Umfeld formt unsere Persönlichkeit, also auch unsere Sichtweise von anderen Menschen. In dem Versuch unsere Umweltwahrnehmung zu vereinfachen, bekommen unsere Stereotypen-Muster somit freie Bahn für den Wahn.

Frauen bewerteten leicht dominante Männerstimmen als attraktiv und vertrauensvoll und Männer bevorzugten eher warme und ruhige Frauenstimmen. Grundsätzlich jedoch kam bei beiden Geschlechtern eine freundliche und aufgeschlossene Sprache mit warmer Klanglage am besten an. Solchen „Hallos“ wurden überwiegend Attribute wie Kompetenz, Hilfsbereitschaft, Nächstenliebe und Vertrauen hinzugefügt. Was hilft diese Erkenntnis? Wer den ersten Eindruck durchschaut hat, kann ihn für sich nutzen! Männer sollten versuchen nicht zu viel Bass im Stimmklang beizufügen, um offener und verlässlicher zu wirken. Außerdem ist es hilfreich eine warme Klangfarbe zu wählen, in der eine gute Portion Kompetenz zu hören ist. Achtung: Überkompetent klingende Stimmen wirkten schnell überheblich und damit wieder abschreckend, was es zu vermeiden gilt. Für Frauenstimmen ist die Stimmmelodie entscheidend und weniger die Klanghöhe. Frauen, die am Ende von Aussagen die Stimme leicht senkten, kamen deutlich besser an, als jene, die ihre Stimme vor jedem Punkt nach oben zogen. Der schottische Experte erklärt jedoch gleichzeitig, dass die Stimme nur ein kleines Puzzelstück in der Gesamtdarstellung einer menschlichen Entität darstellt und Inkompetenz sich auch hinter der schönsten Klanglage nicht ewig verbergen kann.

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Wenn Sie diese Studie schon interessant fanden, wird ihnen das Experiment der University of York die Socken ausziehen. Englischen Wissenschaftlern gelang es ebenfalls in 2014 genau 65 Eigenschaften an Portraitfotos zu fixieren, die maßgeblich den ersten Eindruck für uns formulieren. Die Studie differenzierte zwischen den Zuschreibungen Dominanz und Attraktivität. Bei 1000 ausgewerteten Fotos wichen die ermittelten Muster nicht wirklich voneinander ab und bestätigten damit die eindeutige Validität der 65 Faktoren. Die Höhe, Breite und Position der Augenbrauen oder die Distanz zwischen Mund und Kinnansatz waren hier entscheidende Kleinigkeiten. Hohe, dunkle Augenbrauen wirkten überwiegend maskulin, je größer die Augen eines Menschen sind, desto attraktiver wird er von uns bewertet – gerade bei Frauengesichtern gilt dies als Schönheitsideal. Vieles spricht dafür, dass die Augen tatsächlich das Fenster zur Seele darstellen – zumindest wollen die meisten von uns dies so sehen.

Die kanadischen Wissenschaftler um Nicholas Rule (der Professor mit dem Nachweis für die Faktenresistenz) machten einen Test: Sie zeigten 100 Probanden die Fotos von 20 Männern und gaben ihnen zudem Informationen zur sexuellen Orientierung der abgelichteten Personen. Die Probanden konnten in mehreren Testdurchläufen immer wieder die Gesichter und die sexuelle Orientierung nachlesen. Im eigentlichen Testverfahren wurde den Studienteilnehmern jedes Gesicht nur für einen Sekundenbruchteil gezeigt und sie sollten in ebenso kurzer Zeit eine Aussage darüber treffen, welche Männer an Männern und welche an Frauen interessiert waren. Im Grunde eine Wissensabfrage, ähnlich wie bei einem Vokabeltest mit einer Stoppuhr. Zur großen Überraschung der Wissenschaftler, verfielen die Probanden unter Zeitdruck wieder in alte Klischees und entschieden sich ausschließlich anhand des Gesichtes – nicht auf Basis ihres Wissens über die jeweilige Person. Den Teilnehmern fehlte schlichtweg die Zeit, um sich zu erinnern, also übernahm das Vorurteil in ihnen die Entscheidung. Je weniger Zeit wir also für einen kognitiven Verarbeitungsprozess haben, desto eher verfallen wir in klassische Stereotypen-Muster. Unsere Wahrnehmung ist eben erheblich schneller, als das Kramen in unserem Erinnerungsfundus. In den meisten Fällen überwiegt der erste Eindruck, aber nicht immer. Halvorson widerspricht Rule in diesem Punkt zwar nicht kategorisch, schränkt jedoch ein, dass ein zweiter Eindruck uns Menschen durchaus von einem Primär-Klischee abbringen kann. Dies gelingt jedoch nur, wenn der zweite Eindruck an der Grenze zur Perfektion kratzt. Alles muss dabei passen, dann revidieren Menschen eher ihre ersten Impressionen.

Der goldene Weg ist für jeden Menschen ein anderer, da jeder von uns unterschiedliche Klischees mit sich herumträgt und unterschiedlich mit ihnen haushält. Grundsätzlich kann man jedoch einige Fehlerquellen ausschließen, die garantiert jeden ersten Eindruck zerstören können, so Halvorson. Die Harvard-Dozentin verweist hier auf das kleine 1x1 gelungener Kommunikation: „Augenkontakt halten, lächeln, regelmäßig nicken, zuhören und ausreden lassen“. Diese Grundregeln kennt jeder, aber nicht jeder erkennt ihren signifikanten Wert. Wir können somit gar nicht genau wissen, was dem anderen gefällt, aber wir können ziemlich sicher sein, was bei unserem Gegenüber nicht so gut ankommen wird. Mit diesem einfachen Umkehrschluss-Trick lassen sich die Chancen auf einen gelungenen ersten Eindruck erheblich steigern.

Mit Liebe recherchiert…

Quellen:
Vávra, Y. „Bist du Freund oder bist du Feind?“ Psychologie heute, 42. Jahrgang – Heft Nummer 10, Oktober 2015: Seiten 46-49.

Wolf, A. „Wie tickt dieser Mensch? Die Macht des spontanen Eindrucks – und warum dem ersten Blick unbedingt ein zweiter folgen sollte“ Psychologie heute, 44. Jahrgang – Heft Nummer 9, September 2017: Seiten 18-27.

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