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Die Digitalisierung der Liebe – Teil II

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Jeder Austausch kann wohlüberlegt geschehen, ohne Stottern, Nervosität oder Tuscheln von etwaigen Beobachtern. Jeder kann ganz natürlich auftreten und sich gut vorbereitet von der besten Seite präsentieren.  Das ist toll, aber auch eine neue Hürde, weil genau dies nun von jedem Nutzer erwartet wird, der ernsthaft einen Kontakt sucht. Kleine Schnitzer im Profil, Machogehabe oder grob offensichtliche Lügen weiß die Internet-Community mittlerweile schnell zu erkennen und zu ächten. Wer nicht unmittelbar und sofort auf eine Nachricht antwortet, wirkt schnell unfreundlich oder desinteressiert. Ein falsches Wort, eine falsche Äußerung und man präsentiert sich zügig in einem wenig schönen Licht, dass sich oft nur mühselig wieder zurecht rücken lässt. Viele Formulierungen von Sarkasmus und Ironie sind schriftlich nur schwer auszudrücken, gerade wenn sie spontan geschriebenen werden oder sich die User nicht gut kennen und deshalb auch nur schwer einschätzen können. Im direkten Gespräch ist oftmals klar wie ein Satz zu verstehen ist. Schriftlich kann dieselbe Botschaft mitunter doppeldeutig erscheinen. Im schlimmsten Fall stellt man sich selbst an den Online-Pranger, ohne dies beabsichtigt zu haben.

Wie sollte man sich also geben, wenn man wirklich normal erscheinen möchte. Hinweise wie ganz natürlich und authentisch helfen hier wenig. Es tauchen mitunter viele Fragen zur richtigen Themen- und Wortwahl auf. Hier ein paar grundsätzliche Tipps: Die Ersten Zeilen einer Kontaktnachricht sollten 200 Zeichen nicht überschreiten, sonst wirkt die  Message aufgezwungen bis belehrend. Ein einfaches „Hallo, wie geht`s dir“ ist aber auch nicht originell. Sinnvoller ist es, wenn die erste Nachricht wirklich das Potenzial zum Eisbrechen mitliefert. Wie wäre es, wenn sie auf das Zitat eingehen, dass Sie so an dem Profil fasziniert, oder auf ein Hobby, welches Sie ebenfalls betreiben oder auch nur interessant finden. Stellen Sie eine unkomplizierte erste Frage zum Hobby/Foto/Profileintrag oder verweisen Sie auf ein gemeinsames Interesse. Ein Aufhänger, der zum Austausch anregt. Wenn seitens des angeschriebenen Profils echtes Interesse besteht, wird Er/Sie sich bestimmt melden und findet, dank Ihnen, auch gleich ein Gesprächsthema…  Zunächst jedoch zur (wissenschaftlich) optimalen Suche. Viele machen hier gravierende Fehler und zweifeln im schlimmsten Fall irgendwann an sich selbst. Neu im Online-Portal werden Sie mit einer Fülle an potenziell interessanten Frauen beziehungsweise Männern konfrontiert. Sie sollten jedoch nicht in oberflächliche Suchkriterien abgleiten, sondern sich die Zeit zur ernsthaften Recherche nehmen, sofern Sie es auch wirklich ernst meinen. Wenn Sie eine Gruppe von etwa 20-30 Vorschlägen haben, sollte Sie etwa 12 Kandidaten behalten und alle anderen verwerfen. Danach sollten sie Ihre Suche nur noch so lange fortsetzen bis Sie ein Profil finden, das noch besser ist, als alle Matches aus dem bisherigen Dutzend. Alle weiteren Suchen haben (auf Basis mathematischer Wahrscheinlichkeitsrechnung) kaum Erfolgschancen. Ja, ein paar Wissenschaftler haben dies tatsächlich berechnet. Der schlimmste Fall wäre doch immerhin, wenn sich zwei Partner finden aber nicht erkennen, da Kleinigkeiten in ihren Online-Profilen den ersten Eindruck zerstören – eine Folge oberflächlicher Suche. Zwar sind solche Konstellationen auch im echten Leben möglich, online sind sie jedoch leichter und vor allem schneller umsetzbar. Beim geringsten Zweifel werden potenziell erfolgversprechende Kontakte somit abgebrochen, da sie nicht das facettenreiche Anforderungsprofil unserer Vorstellungskraft matchen können  –  der romantische Fehlschluss wird hier in digitaler Ausführung fortgeführt. Wir wollen immer einen noch besseren Partner, den es doch auch bestimmt, angesichts des gigantischen Angebotes da draußen, geben muss – oder zumindest jemand der noch näher dran ist, als der Spatz, der uns bereits aus der Hand frisst. Viele Anbieter haben dies mittlerweile verstanden und präsentieren ihren Nutzern einzelne Vorschläge, anstatt sie ins Meer der Kontaktanzeigen zu werfen. Oft sind diese Voreinstellungen jedoch nicht präzise genug, um ernsthaft etwas vom anderen Profil zu erfahren.

Interessant ist, dass sich trotz der bestehenden Flut an Nutzern auf Online-Portalen trotzdem eine Art Nivellierungsprozess einstellt, je intensiver die Gespräche werden. Gleich und gleich gesellt sich gern. Dies beschränkt sich nicht nur auf Interessen und Vorlieben, sondern sogar geschieht sogar auf Basis des gemeinsamen Empathie-Levels, der Kommunikationsfähigkeiten und der sogenannten social skills – der Fähigkeit sich in Kommunikationen erfolgreich selbst darzustellen. Ein Experiment in North Carolina untersuchte Paar-Kommunikation sowohl in schriftlichen Textnachrichten oder Sozialen Netzwerken, als auch in direkten Face-to-Face Kontakten sowie in gemeinsamen Telefonaten. Dabei wurden innerhalb der untersuchten Grundgesamtheit zwei Gruppen gebildet – eine mit Überhang zu digitaler Kommunikation und eine mit Überhang zu analogem Austausch. Nach einem Jahr wurden die 487 Teilnehmer erneut durch das Erhebungsteam befragt. Diesmal sollten sie jedoch Angaben zu gemeinsamen Konfliktlösungen in der Beziehung machen und einschätzen, in welchem Maße sie eigene Bedürfnisse in die Paarbeziehung einbringen konnten. Es stellte sich heraus, dass die Probanden mit einem Überhang an schriftlicher Online-Kommunikation tatsächlich geringere social skills in direkten Gesprächen aufwiesen. Geschlechterübergreifend konnten sich diese Probanden weniger gut in den jeweiligen Partner hineinversetzen und Kritik nicht so in der Beziehung artikulieren, wie Paare mit hohem direkten Gesprächskontakt (regelmäßige Treffen oder am Telefon). Das zeigt, dass auch unsichere, schüchterne oder anderweitig gehemmte Menschen im Online-Chat aus sich herauskommen und sicher(er) auftreten können, als bislang.

Das Internet hat uns somit neue Optionen geliefert, wie wir uns finden und zusammenkommen können. Ob wir sie nun eine Hürde oder eine Erleichterung nennen wollen, obliegt schlichtweg der Art, wie wir uns das erste Treffen mit unserem Traumpartner wünschen wollen.

 

Hier geht es weiter zum letzten Teil dieser Artikelreihe.

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