Das VIP Magazin

Wir schaffen Inhalte für
Ihr großes Partnerglück.

Die Neurobiologie der Liebe – Teil II

Teil II: Eine wissenschaftliche Perspektive

Nun… Mediziner können biochemische Veränderungen, die im Stadium einer neu entstehenden Liebe ablaufen, messen und erklären. Damit sich bei einem Paar echte Liebe entwickeln kann, nennen Experten zwei Möglichkeiten: Zunächst die elektrische Reizübermittlung über die Nervenzellen im Körper. Hier wirken Neurotransmitter, welche auf kurze Distanz andere Zellbereiche, mit der Ausschüttung von Acetylcholin, Adrenalin, Noradrenalin, Dopamin und Serotonin, ansteuern und aktivieren können . Endorphine und Kortisol lösen ein tiefes Wohlbefinden in uns aus, wenn wir charakteristische Merkmale an einem anderen Menschen erkennen. Biochemische Botenstoffe werden im Gehirn ausgeschüttet und gelangen von dort in alle Körperbereiche. Dies geschieht über die Hormone, welche in den Körperdrüsen entstehen und mit dem Blutstrom mitgetragen werden. Die Zielorgane haben Rezeptoren, welche die Hormone auswerten. Sender und Empfänger dieser Botenstoffe sind unter anderem Nebenniere, Bauchspeicheldrüse, Schilddrüse sowie Hypothalamus und Zirbeldrüse im Gehirn. Das Hormon und der entsprechende Rezeptor reagieren dann im angesteuerten Körperbereich, was wir als die metaphorischen Schmetterlinge im Bauch bezeichnen. Rein wissenschaftlich betrachtet, lassen uns also Geschlechtshormone wie Kortisol, Insulin sowie Testosteron und Östrogen das Gefühl von Lust und Liebe entwickeln. Das Dopamin sendet Neuronen an die Rezeptoren – tausende gleichzeitig. Das ruft die Schmetterlinge im Bauch hervor und wir blicken durch eine rosarote Brille. Ein erhöhter Dopaminspiegel wirkt sich auf das Belohnungszentrum im Gehirn aus, wobei der bloße Gedanke an die begehrte Person bereits zur Ausschüttung weiterer Dopamin-Botenstoffe führen kann. Eine Dopamin-Überdosis ist durch den Zustand des Verliebt seins allein jedoch nicht möglich, obwohl es in Einzelfällen zu leichten Halluzinationen oder einer mentalen Bedeutungsüberschätzungen kommen kann. Die Hemmschwelle zu kleinen Verrücktheiten sinkt außerdem bei manchen Verliebten. Das Gehirn baut gleichzeitig Dopamin-Toleranzen auf, welche den Zustand der rosaroten Brille mit der Zeit reguliert und für uns normal werden lassen. Im gleichen Maße ist Noradrenalin ein, dem Dopamin sehr ähnlicher, Euphorie-Transmitter für uns. Dopamin kann sich sogar in Noradrenalin umwandeln. Beide Stoffe lassen uns ein gutes Gefühl empfinden. Diese Mikroparanoia ist nicht immer förderlich, da sie uns schnell unsicher wirken lässt. Charmante Verwirrtheit ist das Resultat ausgeschütteter Reizimpulse in unserem sensorischen Sprach- und Motorik-Zentrum im Gehirn. Die lassen uns leicht unbeholfen nach Worten stammeln, wenn wir mit unserem Traumpartner erste Gespräche führen.  Hierbei die Kontenance zu behalten und eloquent sowie charmant zu wirken ist manchmal gar nicht so einfach. Dabei hilft uns jedoch ausströmendes Adrenalin. Adrenalin ist ein Aufputschhormon, das in Stresssituationen aus den Nebennieren ausgeschüttet wird. Wenn wir auf den ersehnten Anruf des Geliebten warten oder ihm im Alltag begegnen, sorgt das Adrenalin dafür, dass wir trotz dieser Stresssituation zuverlässig funktionieren und nicht nur dem Rausch der Glückshormone unterliegen. Diese Energieschübe verbrauchen oftmals sehr viel Körperenergie. Das Freudenareal, das auch die Motivation in uns steuert, arbeitet auf Hochtouren. Schon der Anblick des Partners, oder einer Person die wir begehren, kann bereits Glücksendorphine stimulieren. Auch bei einer noch jungen Kristallisationen. Die übertragenen Bilder der Netzhaut lösen verschiedene Aktivitäten in unterschiedlichsten Gehirnarealen aus. Dopamin und andere Neurotransmitter aktivieren das Belohnungssystem des Gehirns und wir empfinden Freude beim Anblick des Partners. Die Netzhautübertragungen reizen zudem das limbische System im Gehirn, welches dann das Hormonsystem über den Hypothalamus aktiviert. Die Hormone aktivieren dann die die Hirnanhangdrüse. Außerdem löst die Oxitozyn-Ausschüttungen eine Produktion von Dopamin aus. Das motiviert uns, dem Partner gefallen zu wollen und dafür auch mal über den eigenen Schatten zu springen. Ferner lässt uns dieses Glückshormon anfänglich über kleinere Schwächen des Partners hinwegsehen. Liebe macht also tatsächlich blind. Mit Angleichung des Hormonspiegels im Laufe der Beziehung, fangen diese Kleinigkeiten darum irgendwann an, uns am Partner zu stören. Wir hatten sie einfach zunächst ausgeblendet, weil wir zu verliebt waren.

Neben den visuellen Reizen, die wir in Face-to-Face Interaktionen aufnehmen, ist die Nase jedoch der wichtigste Bestandteil bei der Paarfindung. US-Studien wurden mit großem Erfolg an der Universität Münster empirisch umgesetzt. Die Probanden bekamen hierbei Pheromon-Stoffe (genauer ein Lockstoff aus Sexualhormonen) direkt in die Nase geleitet. Bei einer folgenden Gruppenarbeit reagierten Männer wie Frauen tatsächlich mit erhöhtem Flirtverhalten (Lächeln, Augenaufschlag und Gesichtsmimik). Allerdings funktionierte dies nicht bei allen Teilnehmern. Rein wissenschaftlich ist der Satz „Jemanden nicht riechen können“ empirisch nachweisbar und somit mehr als nur ein geflügeltes Wort, wie Ergebnisse der Kieler Universität belegen. Dort wurde nachgewiesen, dass das MHC System (major-histocompatibility-complex) eine wichtige Rolle bei der Partnererkennung spielt. Hierbei handelt es sich um eine Gengruppe, welche unser Immunsystem steuert. Je unterschiedlicher die MHC Typen der Eltern, desto stärker die Immunabwehr ihrer Kinder. Gezielte Forschungen belegten, dass dies mit den Genen zusammenhängt. Partner mit möglichst unterschiedlichem Genpool können im Falle von Nachwuchs wechselseitig beschädigte Erbsequenzen ausgleichen, was bei einem gemeinsamen oder sehr ähnlichen Genpool unter Umständen schwierig sein kann. Pheromone der MHC-Gengruppe werden in den Achselhöhlen produziert und gelangen bei direkten Interaktionen in die Nase des Partners. So gesehen schnuppern wir also am Gewebetyp unseres Gegenübers. Menschen mit unterschiedlichen MHC-Typen ziehen sich dabei mit größerer Wahrscheinlichkeit gegenseitig an, sobald sie ihr gemeinsames Genpotenzial gewittert haben. Dies ist kein bewusster Prozess, jedoch beweisen MRT-Bilder, dass unser Gehirn dennoch unterschiedlich auf die verschiedenen Achselschweiß-Gerüche reagiert. Schnellste Reizverarbeitungen lagen immer bei Paarkombinationen mit einem sehr ähnlichen Gewebetyp vor – vermutlich stellt dies ein Warnmechanismus zur Vermeidung von geringen Genpools bei der Rekombination für den Nachwuchs dar. Hierbei sollten Sie etwas für ihr eigenes Leben beachten, weil wir es alle gewohnt sind, mit Deos und Parfumstoffen unsere natürlichen Geruchsnoten zu überdecken. Geruchsneutralität oder ein edler Parfumduft sind mittlerweile ein erwarteter gesellschaftlicher Standard geworden, den wir nur zu gerne erfüllen. Allerdings kommt es nicht selten vor, dass wir damit unseren Nasen wechselseitig wichtige Informationen vorenthalten, was zu bösen Überraschungen führen kann, wenn wir unsere große Liebe später einmal in natura schnuppern. Unsere „olfaktorische Visitenkarte“ gibt also eine ganze Palette von Informationen preis, denen wir uns nicht unbedingt verschließen sollten. Das bedeutet natürlich nicht, dass es hilft, wenn wir bis zum nächsten Date nicht mehr duschen gehen.

Es sind also nicht nur die optischen Reize, die uns attraktiv wirken lassen. Faktoren wie der Körpergeruch und Pheromone im Schweiß lassen sich nur bedingt verändern. Auf Basis dieser Erkenntnisse lässt sich sogar erklären, weshalb wir manchmal beim ersten Kontakt zu einem anderen Menschen, quasi urplötzlich und scheinbar ohne nachvollziehbare Gründe, abblitzen und einen Korb einfahren. Der Filter für alle Sinneseindrücke jedes Menschen ist der Thalamus. Er steuert, welche Sinneseindrücke zum Bewusstsein durchgelassen werden müssen und blockt unwichtige Impulse ab. In Situationen voller Stress, Angst, Wut, Trauer oder auch bei manchen Krankheiten (manchmal einfach nur an einem schlechten Tag) können jegliche potenziell attraktiven Reize unserer Umwelt ausgeblendet werden. Dies ist eine Art Schutzfunktion unseres Verstandes, um sich nicht noch zusätzlich mit Dating-Stress abgeben zu müssen, wenn der Kopf gerade mit wichtigerem voll ist. In solchen Phasen nehmen wir andere erst gar nicht als potenzielle Partner wahr und sind unzugänglich für etwaige Kontaktversuche. Auch andersherum funktioniert diese Spirale, sodass wir manchmal mit einer speziellen Erwartungshaltung aufwachen und in den Alltag durchstarten. Wir sind in diesen Phasen besonders empfindlich und affin für Flirtversuche – manche nennen es die Liebe auf den ersten Blick, wenn sie in diesem Zustand auf potenzielle Partner treffen. Dies ist natürlich eine kühne Behauptung, da normalerweise keine Ärzte oder Wissenschaftler zugegen sind, wenn sich ein Paar unsterblich auf den ersten Blick in einander verliebt. Dies wäre immerhin nur mittels MRT-Röntgenbilder zu beweisen. Die Liebe auf den ersten Blick bleibt somit vorerst noch ein Mythos, bis die Forschung weiter voranschreitet. Trotzdem ist sie sehr real und bietet eine spannende neue Perspektive bei der wissenschaftlichen Aufschlüsselung der Liebe.

Lesen Sie weiter: Die Neurobologie der Liebe Teil 3

Zurück zu Die Neurobiologie der Liebe Teil 1

Mit Liebe recherchiert in:

Geo Wissen Magazin, 2016, Nr. 58 „Liebe“

Bode, A., Krüger J., Raabe, H., Zirwes, C. „Die Biochemie der Liebe – ein Hormon-Ratgeber“ Quarks&Co. WDR Köln 2000.

Zurück

Copyright 2020 Sympathica. Alle Rechte vorbehalten.