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Geschlechterabhängiges Verlieben

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Wir hatten bereits aufgelistet, welche chemischen Strukturen sich im Gehirn verändern, sobald wir uns verlieben. In Anlehnung an die 3 Gefühlssysteme nach Helen Fisher können wir die Bereiche Lust, Anziehung und Verbundenheit voneinander unterscheiden. Lust ist der menschliche Sexualtrieb. Er wird durch biochemische Reaktionen hervorgerufen. Hier greifen Testosteron und Östrogen. Anziehung meint die liebesversunkenen Phasen, in denen Menschen unentwegt an den Partner denken müssen. Sie haben mitunter große Probleme, sich auf andere Gedanken zu konzentrieren und schwelgen immerzu im Geiste beim Objekt der Begierde. Dafür sorgen ein hoher Dopaminspiegel und ein niedriges Serotoninlevel. Last but not least meint Verbundenheit die zwischen Partnern entstehende Vertrautheit, die aus zwei Individuen eine gemeinsame Entität erschafft. Alle wichtigen Entscheidungen werden nur nach Rücksprache mit der besseren Hälfte getroffen. Der Partner ist unumstößlicher Teil der eigenen Wahrnehmung geworden und nicht mehr aus dem eigenen Leben wegzudenken. In dieser Phase wirken Oxytocin und Vasopressin – beim Menschen genauso wie auch bei anderen Säugetieren.

Diese drei Gefühlssysteme haben sich über die Jahrtausende immer weiter voneinander differenziert. Mit der Zeit wurden sie dadurch zusehends unabhängiger voneinander. Eine klare Aussage zu treffen wie „Du bist gerade in Stufe 2 oder 1“ ist nicht möglich, da sich die drei Gefühlssysteme bei jedem Menschen unterschiedlich äußern, sich gegenseitig bedingen und nicht zwingend in der genannten Reihenfolge auftreten müssen. Außerdem können sie auch von anderen Körpersystemen beeinflusst werden.

Die Kommunikation zwischen Kopf und Körper funktioniert dabei über verschiedene Wege. Entweder sind es elektrische Nervenimpulse, die zwischen den Körperzellen interagieren (vergleichbar mit einer Autobahn zwischen den Körperregionen), oder es sind chemische Botenstoffe (entweder Neurotransmitter oder Hormone), welche Liebesgefühle in uns auslösen. Neurotransmitter sind nur auf kurze Distanz erfolgreich. Sie übertragen ein kribbeliges Gefühl von Zelle zu Zelle… ähnlich wie eine Telefonkette. Hormone verteilen sich, ähnlich einer Telefonkonferenz, in verschiedenen Körperregionen gleichzeitig. So weit so gut! Lassen Sie uns von hier aus aber noch einen Schritt weitergehen.

Bei Männern und Frauen sind viele amouröse Reaktionen gleich und verlaufen in ähnlichen Bahnen – beispielsweise der Anstieg des Stresshormons Cortisol, welches uns nervös und ungeduldig werden lässt. Auch die Ausschüttung des Glücksstifters Dopamin ist geschlechterunabhängig. Aber so analog und eindeutig verlaufen eben nicht alle Reaktionen, weshalb sich Frauen und Männer durchaus unterschiedlich verlieben. Der Testosteron-Spiegel im weiblichen Organismus steigt beispielsweise an, während der eines Mannes absinkt. Während Frauen also etwas aggressiver (man könnte auch forscher oder mutiger sagen) in ihrer Grundeinstellung werden, sorgt Verliebtheit im männlichen Gehirn für Entspannung und ein weicheres Auftreten.

Wie es die Liebes-Biologin Dawn Maslar in ihrem TED-Beitrag beschreibt, weiß zwar jeder Mensch einzuordnen, was mit Verliebten passiert – aber die wenigsten haben sich je gefragt, wie es genau dazu kommt. Wie gelangen wir überhaupt an den Punkt, an dem Millionen von Neurotransmittern an unseren Rezeptoren andocken und uns in den Zustand der Verliebtheit versetzen? Es muss eine Art Induktion geben, eine biochemische Initialzündung, welche all die Prozesse in uns auslöst. Genauso muss es eine Rückbildungs-Phase geben, in der sich diese Prozesse regulieren und Botenstoffe wieder abgebaut werden. Aber sind diese Prozesse immer gleich?

Dawn Maslars Großmutter brachte sie auf eine neue Theorie: Sie konstatierte, dass alle modernen Beziehungsprobleme daher rühren, dass die Frauen heutzutage viel zu schnell mit den Männern ins Bett steigen. Sie alle kennen jene mahnenden Worte der Keuschheit, welche meist seitens der älteren Generationen formuliert werden… unzählige Zeitrahmen- und Fristregeln begleiten das Liebes-Basiswissen von fast jedem Menschen. Das dritte Date, die 90-Tage-Regel… fast jeder kennt den Ratschlag, nicht gleich die Hüllen fallen zu lassen. Die meisten dieser Tipps werden trotzdem meist nur noch müde belächelt. Aber was hat das mit Beziehungsproblemen zu tun? Maslars Großmutter führte aus, dass Männer und Frauen sich unterschiedlich ineinander vergucken. Im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts war dabei noch fast allen Frauen bewusst, dass man einen Mann nicht mit Sex dazu bringen kann, sich zu verlieben. Im Gegenteil: Paare sollten sich grundsätzlich erst dann für diesen Schritt entscheiden, nachdem sich der Mann bereits in die Frau verliebt hat. Und dieser Schritt führt nicht daran vorbei, dass der Mann zuerst echtes Commitment beweisen muss. Zugegeben… das mag nun erst einmal wie eine sehr konservative These klingen. Aber hinter dieser Weisheit steckt ein viel tieferer Sinn, als man zunächst denken mag.

Bereits in den Versuchsreihen mit den treuen/untreuen Wühlmäusen wurden die einzelnen Botenstoffe genauer untersucht. Dopamin war ursprünglich ein heißer Anwärter auf den Titel des Liebeshormons. Aber leider wird Dopamin durch viele Reize (u.a. durch Glücksspiel, Schokolade oder Tanzen) ausgelöst, die größtenteils nichts mit der Liebe zu tun haben. Dadurch rückte das als Bindungs-, Kuschel- oder auch Treuehormon bekannte Oxytocin in den Kreis der Verdächtigen. Wenn eine Frau sich für einen Mann zu interessieren beginnt, steigt ihr Oxytocin-Haushalt um mehr als 50% an. Die Forscher hatten damit belegt, dass für Frauen Oxytocin zum Tragen kommt, wenn sie sich verlieben.

Auch hier gab es aber leider ein Problem. Oxytocin lässt sich nämlich nicht als universelles Liebeshormon deklarieren, denn Männer haben von Natur aus recht hohe Testosteron-Werte in ihrem Kreislauf. Und da Oxytocin von Testosteron neutralisiert wird, konnte auch Oxytocin nicht allein als Verantwortlicher für die zwischenmenschliche Verliebtheit herangezogen werden. Trotzdem werden wir gleich noch einmal auf das Testosteron zurückkommen müssen. Die Ergebnisse der Forscher führten schließlich zu einem weiteren Stoff, der im Gehirn gebildet wird – das Vasopressin. Vasopressin wird beim Mann durch sexuelle Erregung ausgeschüttet. Hier wurden spezielle Tests durchgeführt, in denen auch Kombinationen aus mehreren Stoffen untersucht wurden. Nach all den Testreihen kamen die Forscher zu dem Schluss, dass für Männer Vasopressin und Dopamin als Wegbereiter für gefühlte Liebe verantwortlich sind. Für Frauen kommen also Dopamin und Oxytocin zum Tragen und für Männer Dopamin und Vasopressin.

Das zeigt uns zunächst einmal, welche Power hinter Dopamin steckt. Gerade während eines Dates steigert sich bei beiden Geschlechtern die Dopamin-Konzentration. Mit zunehmendem Vertrauen und im gemeinsamen Dialog baut es sich langsam auf und wird mit jedem Date ein bisschen intensiver. Aber was ist mit den anderen beiden Stoffen?

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Je höher die Oxytocin-Werte steigen, desto eher verliebt sich die Frau in den Mann, so die Forscher. Es gibt für Frauen jedoch noch einen ganz anderen Weg, um das Oxytocin in kürzester Zeit auf Maximalwerte zu bekommen – durch Sex. Bei einem Orgasmus explodieren die Oxytocin-Werte im Gehirn, so Maslar. Das mag zunächst nach einem cleveren Beschleuniger für empfundene Verliebtheit klingen, hat jedoch eine fatale Nebenwirkung. Denn beim Mann fallen nach dem Sex die Vasopressin-Werte wieder deutlich ab. Während Frauen also durch das ausgeschüttete Oxytocin in Liebe verfallen, steigen die männlichen Vasopressin-Werte nur solange an, bis er sein evolutionäres Ziel erreicht hat. Vor dem Sex ist ein Mann also versessen darauf, sich zu binden… nach dem Sex kann das schon ganz anders aussehen. Und genau hier liegt der Hase im Pfeffer. Während sich die Frau nämlich verliebt, verliert der Mann durch zu frühen Sex sein Interesse an einer festen Bindung mit der Frau.

Gerade Männer brauchen also etwas mehr Zeit, um echte mentale Verliebtheit ausprägen zu können. Wichtig ist nämlich nicht nur, dass die ausgeschütteten Stoffe in ausreichender Menge vorhanden sind. Für ein gelungenes Verliebtheitsgefühl braucht man ebenso die Rezeptoren, die diese Stoffe andocken lassen können. Sobald genug Liebesauslöser im Körper unterwegs sind, werden die entsprechenden Rezeptoren ausgebildet – vorher noch nicht… Die Rezeptoren reagieren auf die Menge von Liebesdrogen und passen sich ihnen an. Betrachten wir daher das Bindungshormon Vasopressin im männlichen Körper. Bis echte Liebe für einen Mann möglich ist, muss mit ausreichend Rezeptoren erst einmal die Basis dafür geschaffen werden, so Dawn Maslar. Vergleichen Sie es mit einem Hafen, in den gleichzeitig hunderte Schiffe einfahren wollen. Bei genug Andockmöglichkeiten klappt das, aber wenn der Hafen zu klein ist, kommt es zum Stau. Um jedoch erstmal genug Rezeptoren aufbauen zu können, um die volle Vasopressin-Wirkung zu spüren, braucht der Mann also zunächst etwas Zeit – quasi um seinen inneren Hafen auszubauen.

Aber wie verlieben sich denn nun die Männer ganz konkret? Dafür müssen wir auf das Testosteron zurückkommen. Das vorhin bereits erwähnte Testosteron ist zuständig für das männliche Commitment. Wie wir gesagt hatten, blockt Testosteron das im Blut ausgeschüttete Oxytocin und neutralisiert es. Und wie genau will man dieses Commitment nun wieder wissenschaftlich nachweisen können? Naja… auch das ist möglich: US-Studien untersuchten den Hormonspiegel von Berufspiloten der Airforce und haben gezeigt, dass Single-Männer einen wesentlich höheren Testosteron-Spiegel vorweisen als verheiratete Männer. Eine darauf aufbauende Studie bewies, dass der Testosteron-Level von Ehemännern genauso niedrig liegt wie der von unverheirateten Männern in einer festen Beziehung. Nur die Singles hatten deutlich höhere Werte. Dawn Maslar schlussfolgerte daraus, dass es nicht die Ehe, sondern das ihr vorausgehende Commitment sein muss, das die Testosteron-Werte senkt und damit dem ausgeschütteten Oxytocin freie Bahn lässt, um genug Rezeptoren aufbauen zu können.

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Und was bedeutet das nun für das geschlechterabhängige Verlieben? Ganz einfach: Frauen sind geneigt, sich eher in jemanden zu verlieben, wenn sie mit dieser Person schlafen. Männer verlieben sich hingegen in Menschen, für die sie über längeren Zeitraum echtes Commitment aufbauen konnten und tiefe Verbundenheit empfinden können. Mit Blick auf Dawn Maslars Großmutter lässt es sich also durchaus bestätigen, was konservative Beziehungsratgeber vorschrieben. Eine Frau sollte sich dem Mann so lange verwehren, bis dieser echtes Commitment aufbauen will und kann. Wenn sich beide daran halten, besteht die Chance für echte gegenseitige Verliebtheit. Also ist es durchaus sinnvoll, wenn sich ein Paar zunächst etwas Zeit lässt – dem Mann zuliebe… auch wenn er das vielleicht nicht so sehen mag. Es ist vermutlich sowieso nur das Vasopressin in seinem Organismus, das diesen Punkt nicht nachvollziehen kann… 

Quelle:

Maslar, D. “How your Brain falls in love | Dawn Maslar | TEDxBocaRaton”. TEDx Beitrag von der Boca Raton Konferenz in Palm Beach, Florida. Am 05.07.2016 von „TEDx Talks“ auf Youtube hochgeladen. URL: https://www.youtube.com/watch?v=eyq2Wo4eUDg

 

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