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Partnersuche im Internet Teil II

Wie wir aus dem ersten Teil dieser Reihe wissen, arbeiten Dating-Portale im Internet fast ausschließlich mit vergleichenden Algorithmen, die sich auf Gemeinsamkeiten stützen, um bei Millionen von Nutzern Ähnlichkeiten innerhalb der verfügbaren Profildaten zu erkennen und daraus jeweils Partnervorschläge zusammen zu fassen. Angesichts der gigantischen Datenmengen, die daraus resultieren, kann ein Computer-Algorithmus gar nicht anders verfahren, als die Sportler, Filmfans, Gothic-Musik-Liebhaber mit jeweils Gleichgesinnten zu kombinieren. Alles andere liegt dann bei den Nutzern selbst. Aber wie effektiv ist das eigentlich?

Wussten Sie, dass die Mitglieder von Online-Dating-Portalen im Durchschnitt 12 Stunden im Netz mit der Suche nach möglichen Partnern  verbringen, um ein etwa 1,8 Stunden langes Date im „Real life“ zu arrangieren? Bei jedem Besuch rufen Nutzer im Schnitt über 200 Profile auf. Unser Verstand ist noch nicht darauf geprägt, mit einer überschaubaren Anzahl an Menschen in direktem Kontakt zu stehen. Durch die Internetrevolution und soziale Netzwerke haben wir plötzlich eine wahre Vielfalt von möglichen Gesprächspartnern. Hier besteht mehr als nur das Potenzial einer Reizüberflutung, so der Psychologe Manfred Hassebrauck.

Stellen Sie sich vor, 200 Menschen an einem Tag kennenlernen zu müssen. In größeren Unternehmen nennt sich sowas erster Arbeitstag. Das ist nicht nur unübersichtlich und überkomplex, sondern führt vielmehr dazu, dass viele Hintergrundinformationen schlichtweg ignoriert werden (müssen). Online geschieht dies noch viel schneller, da der Zwang fehlt, sich all die neuen Gesichter auch tatsächlich zu merken. Es sind keine Arbeitskollegen, sondern nur Profile. Und man sucht ja schließlich nur ein einziges.

Angesichts des Überangebotes suchen die meisten Nutzer von Dating-Portalen nur noch nach oberflächlichen Kategorien (oft nur anhand des Aussehens) oder setzen ihren Kriterien eine klare Obergrenzen für Profildetails (Einkommen, Körpergröße, etc.). Viele beschränken sich nur auf wenige Suchkriterien, ohne die Person hinter dem Profil anhand der vorhandenen Daten überhaupt zu hinterfragen. Aber genau hier liegt der Fehler, so Hassebrauck. Man kann sich online sehr schnell in anderen Menschen täuschen. Schon beim Direktkontakt kommt es nicht selten vor, dass man sich gehörig in seinem Gegenüber irren kann. Das liegt an den Bedeutungsüberschätzungen. Wenn wir jemanden rein körperlich attraktiv finden, dann assoziieren wir gleichzeitig Cleverness, Humor und andere positiv-aufgeladenen Vorurteile in diesen Charakter, auch wenn wir nachher lernen müssen, dass unser neuer Match doch nicht so intelligent oder humorvoll ist wie wir ursprünglich vermutet hatten. Der sogenannte Lichthofeffekt. Machen Sie einen Selbsttest: Was klingt hochwertiger für Sie: Milch oder Alpenmilch? Letzteres? Warum? Nicht nur unsere Eindrücke können getäuscht werden oder sich irren. Vielmehr ist es ein Algorithmus-Problem der Vermittlungsseiten.

US-Vermittlungsseiten arbeiten mit Cupids.  Gleiche politische Orientierung, Tierliebe, Einstellung zum Rauchen oder zu kulturellen Konsumvorlieben. Aber auch dieses System steigert die Effektivität des Portals nicht besonders. Als ein großes Online-Dating-Portal in 2015 zu Testzwecken kurzfristig  „No-Match Partner“ vermittelte, hatte dies keinen großen Einfluss auf die Portalquote. Es fiel einfach nicht auf, dass die vom Algorithmus zusammengesammelten Paare nicht unterschiedlicher hätten sein können. Manche Portal-Nutzer mögen hier aus eigenen Erfahrungen widersprechen wollen, aber die Erkenntnis, dass alleiniger Verlass auf die Such-Algorithmen nicht viel hilft, beweist trotzdem ihre Richtigkeit. Deshalb ist es sehr wichtig, nicht sämtliches Vertrauen in die (Selbst-)Verdatung auf Online-Portalen zu setzen. Intuition und wechselseitige Empathie können durch Maschinen allenfalls simuliert werden. Mit echten Partnervermittlungsangeboten können (Selbst-)Verdatungs-Portale also noch lange nicht mithalten.

Manfred Hassebrauck spricht dennoch von einer Zeitenwende, ausgelöst durch eine Digitalisierungswelle der Liebe, die den Bereich Partnersuche seitdem grundlegend verändert hat. Aber hat das Internet unsere Gefühle damit auch verändert? Nein! Unsere Art zu lieben wurde nur auf ein digitales Medium übertragen. Zugegeben mit einigen Sackgassen und (bislang schlecht beschilderten) Holzpfaden. Online-Dating brachte neue Rituale der Beziehungssuche hervor, denen sich mittlerweile verschiedenste Fachgebiete und Wissenschaftszweige angehängt haben.

Die romantische Liebe ist dennoch auf dem Höhepunkt und noch lange nicht vorbei, so Margot Weber vom Emotion Magazin. Nahezu keinerlei limitierende Strukturen (kirchliche/staatliche Gesetze, räumliche Trennung und nur noch wenige Moralvorschriften) halten uns noch auf. Ein riesiges Maß neu gewonnener Freiheit. Laut Weber ist es gleichzeitig Glück und Pech, das wir unsere große Liebe selbst finden, für uns gewinnen und erhalten müssen. Dieses Übermaß an Freiheit macht uns langfristig unglücklich. Je mehr Freiheit uns gewährt wird, desto zügelloser gehen wir mit der Liebe um. Deshalb trennen sich auch so viele Paare, bevor sich richtige echte Liebe einstellen kann.

Deshalb kommt es heute mehr denn je auf uns selbst an. Es liegt an uns, was wir aus der digitalen Liebe machen. Das Internet ist lediglich ein neues Werkzeug, um die Liebe zu definieren. Ob wir mit diesem Werkzeug erschaffen oder zerstören wollen, bleibt uns überlassen.

Quellen:

Geo Wissen Magazin, 2016, Nr. 58 „Liebe“, S.28-34

Weber, Margot „Frei wie noch nie“. Emotion Edition Nr.1, S.7

 

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