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Partnersuche im Internet

Über eine erfolgreiche Suche und eine erfolgreich gescheiterte Partnerschaft

Social Media, Liebes-Chatrooms, Tinder-App und Sexdating-Trends haben das abendliche Disco-Gespräch oder die Einkaufsflirt-Bekanntschaft längst antiquiert. Man lernt sich heute über Facebook-Freunde kennen – manchmal nur aus dem Grund, dass der reale Bekanntenkreis doch eher überschaubar ist. Social Media verbindet Kontinente, überwindet gigantische Distanzen in Sekundenbruchteilen und projiziert unsere Gesprächspartner hochauflösend und in Echtzeit auf unsere Bildschirme. Da Millionen von Nutzern diesem Trend nacheifern, ist die Auswahl an potenziellen Partnern ebenso gigantisch. Schnell nivellierte sich eine Art Partner-Markt. Gleich und Gleich gesellt sich gern… Erwachsene kennen übrigens meistens ihren Marktwert und wissen ihre Chancen bei anderen gut einzuordnen. Bei Jugendlichen hingegen ist dieser Komplex noch nicht mit ausreichend Lebenserfahrungen gespeist, sodass es hier zu (mitunter albern wirkenden) Abweichungen oder hemmungslosen Selbstüberschätzungen kommen kann.

Manche Nutzer geraten bei ihrer Suche allerdings immer wieder an die falschen Partnerschaften. Gerade Frauen leiden oftmals darunter, wenn sie auf der Suche nach ihrem Prinzen lediglich einen Frosch nach dem anderen zu küssen scheinen. Wie aus unserem Artikel zu den A-D-Bindungstypen hervorgeht, ist der Frust nach wiederholten Beziehungs-Pleiten lediglich ein Ergebnis einer falschen Suche, die den Betroffenen oftmals nicht einmal bewusst ist. Im Internet sind solche Irrtümer sehr viel einfacher, da wir sehr viele Faktoren beim Gegenüber nicht online erfahren können. Viele Menschen haben nicht das Gespür dafür, Fähigkeiten ihres Gegenübers zu erkennen und zu erfassen, die tatsächlich wichtig für eine dauerhafte Beziehung notwendig sind. Das geht weit über das „Liebe macht blind“ hinaus. Wir sind geneigt am Anfang einer neuen Beziehung Dinge am Gegenüber zu ignorieren, die uns nach einigen Monaten massiv zu stören beginnen. Das hängt mit den Glückshormonen zusammen, die unsere körpereigene Biochemie beeinflussen und unsere Wahrnehmung verzerren können. Welche Mechanismen im Detail in uns aktiv werden, sobald wir uns verlieben, erfahren Sie in unseren Artikeln zur Biochemie der Liebe (hier geht es direkt zu Teil 1, Teil 2, Teil 3).

Unsere Zielwahrnehmung kann jedoch schon lange vor diesem Zeitpunkt (quasi generell) getrübt sein. Daher gibt es auch beim Online-Dating jene Nutzer, die scheinbar immer wieder an die falschen Matches geraten. Irgendwann beginnen sie, dies auf sich selbst zu beziehen. Das liegt keinesfalls daran, dass die Nutzer keine genauen Vorstellungen davon haben, wie ihr Traumpartner sein sollte. Die Anforderungslisten gehen von körperlichen und moralischen Werten schnell in den Bereich politischer Überzeugungen oder Sternzeichen über. Manche generieren auf diese Weise meterlange Listen eines Partners, der mehr Utopie als Ideal zu sein scheint. Die meisten Nutzer sind sich also oftmals ziemlich genau darüber im Klaren, welche Eigenschaften ihr Traumpartner besitzen sollte. Weshalb suchen sie dann trotzdem wiederholt nach falschen Partnern? Weil sie dies schlichtweg nicht realisieren, wie wir Ihnen an einem einfachen Beispiel aufzeigen wollen. Unsere Darstellung ist natürlich eine rein fiktive Geschichte, der es zudem erheblich an Hintergrundinformationen mangelt. Trotzdem möchten wir Ihnen am Beispiel von Conny und Jackson aufzeigen, wie schnell man sich in der heutigen Online-Dating-Welt vertun kann. Stellen Sie sich bitte ein Bilderbuch-Pärchen vor:

Jackson wollte eigentlich nur eine attraktive Freundin finden, die seinen Humor teilt. Das Online-Dating ließ sich zeitlich sehr gut mit seinem komplexen Arbeitsalltag verbinden. Der gut gebaute Surferboy musste auch gar nicht so lange suchen, bis ihn Conny anschrieb. Ihr Profilbild sprach ihn gleich an. Conny wollte immer einen Traumprinzen der ihr den finanziellen Luxus bieten kann, an den sie sich dank ihres Elternhauses und ihrer erfolgreichen Business-Anstellung gewöhnt hatte. Jemand der finanziell ebenbürtig, gut aussehend und beruflich aufstrebend, dynamisch sowie erfolgreich ist – kurz: einen Macher! Auch Conny musste nicht lange auf die ersten Anfragen im Portal warten. Auch nach erstem Herausfiltern aufdringlicher Phantasten, wurde sie noch immer vor eine große Auswahl an potenziellen Verehrern gestellt.

Jacksons Business-like Auftreten im feinen Nadelstreifen mit Designersonnenbrille vor seinem nagelneuen Porsche imponierten ihr dabei sofort. Die ersten Kontakte zeigten schnell, dass es nicht beim online-Flirt bleiben würde und nach etwa einer Woche und zwei gemeinsamen Dates waren Conny und Jackson ein glücklich verliebtes Paar im real life. Während Jacksons Arbeitskollegen vor Neid erblassten, war der aufstrebende junge Mann nach wenigen Augenblicken schon der Wunschschwiegersohn für Connys Eltern. Alles schien perfekt. Nach einiger Zeit jedoch häufen sich Streits, zunehmend vergräbt er sich in beruflichen Projekten und meidet ihre Anrufe, während sie ihm immer öfter ausweicht. Jeder Versuch von Jackson, mit einer romantischen Idee auf Sie zu zukommen, beantwortet sie nur noch mit der kalten Schulter. Nach etwa 8 Monaten begegnen sich beide nur noch gelegentlich auf den Trümmern ihrer ehemaligen Beziehung, wenn er spät abends zum Sofa schleicht, auf das sie ihn zu verbannen pflegt, wenn er vor 01:00 Uhr Nachts nicht nach Hause kommt. Die Kommunikation ebbt zunehmend ab, sodass beide fast erleichtert sind, als die Beziehung nach nicht einmal 300 Tagen in einem schier endlosen Streit endet. Beide ertragen sich gegenseitig nicht mehr und beenden nur zu gern die Beziehung. Freunde, Familie und Umfeld sind schockiert. Und doch war diese Trennung zu erwarten.

Was ist geschehen?

Soziologen beforschen den zunehmenden Trend von Zielkonflikten durch Partnership-Angebote auf soziale Medien und ähnlichen Plattformen. Der Mann sucht eine atemberaubend schöne Frau, reduziert damit weite Teile seiner Erwartungshaltung auf ihr Äußeres und überlädt ihr bezauberndes Gesicht mit vielen positiven Vorurteilen. Später nerven ihn Zeit/Kosten, die sie in die Pflege und ihr Aussehen investiert. Ferner stört es ihn, dass sie ständig von fremden Männern angestarrt oder angeflirtet wird und dies auch noch zu genießen scheint. Dass ein makelloses Aussehen zeitintensiv sein kann und andere Männer auf Schönheit reagieren, wie Haie auf Blut im Wasser, sind jedoch keine wissenschaftlich neuen Erkenntnisse. Jackson hätte wissen müssen, worauf er sich einließ – gerade dann, wenn er sich über seine Eifersuchtsneigung im Klaren war. Conny wiederum suchte einen erfolgreichen Mann, der ihr spontan jeden Luxus erfüllen konnte, ärgert sich aber, dass dieser so viel arbeiten musste, und seinen Job häufig ernster zu nehmen schien als die Beziehung, während er sie auf ihr Äußeres reduziert. Es klingt paradox, aber genau diesen Männertyp (Cowboy) hat Conny gesucht und in Jackson ja auch gefunden. Dass eine hohe berufliche Stellung sehr oft mit hohem beruflichem Engagement einhergeht, hätte Conny dabei klar sein müssen.

Für ihr Umfeld und auch die Internet-Börse waren Conny und Jackson ein perfekter Match. Anhand der zur Verfügung gestellten Daten, der gegenseitigen Sucheinstellungen und der Art der Suche, blieb dem Algorithmus auch gar keine andere Wahl, als die beiden für geeignete Partner zu halten. Im wahren Leben stellte sich dann heraus, dass sie sich besser niemals begegnet wären. Darüber hinaus ist beiden vermutlich nicht durch die Trennung klar geworden, dass sie mit ihrer suche einer Utopie hinterherlaufen, die ihnen weder guttut, noch die benötigten Grundvoraussetzungen für eine gemeinsame Beziehung mitbringt. Aber warum? Beide hatten doch ihren idealen Traumpartner gefunden. Sie hatten den perfekten Match, nach dem sie gesucht hatten. Weshalb hat es also nicht geklappt? Naja… Beide haben nicht richtig gesucht. Sie wussten buchstäblich nicht genau, was sie wollen und in einer stabilen Beziehung brauchen. Liebe machte anfangs blind, sodass sie seinen Erfolg lediglich bewunderte, jedoch nicht hinterfragte. Genau das tat er mit ihrem Aussehen. Es klingt vielleicht etwas bizarr, aber eigentlich müssten im Online-Dating folgende Themen behandelt werden: Wie genau stellen sich ihrer Online-Matches eine gemeinsame Zukunft vor? Von welchem Beziehungstypus träumen Sie, welche Bindungstypen suchen Sie und wie lässt sich das mit den Vorstellungen ihres aktuellen Kontaktes vereinbaren? Hat ihr Match in Bezug auf Beziehung oder sogar Kinderwünsche gleiche Vorstellungen? Welchen Erziehungsstil würden sie sich vorstellen? etc… Sie merken es bereits… solche Themen sind extrem spezifisch, maximal persönlich und passen keinesfalls in einen Smalltalk während der Kennenlern-Phase. Trotzdem sind das die wichtigsten Eckpfeiler, die zu Zielkonflikten führen werden, wenn sie nicht rechtzeitig kommuniziert werden können.

Liebe braucht deshalb Gelegenheiten, in denen sich zwei Menschen sich begegnen können. Wenn man nicht den richtigen Menschen begegnet, bedeutet dies nicht, dass etwas nicht stimmt, sondern nur, dass wir mit zu wenigen Menschen zusammenkommen, aus deren Grundgesamtheit wir mögliche Dating-Partner finden könnten. Haben Sie schon einmal beim Shopping nicht das richtige gefunden? Das war doch auch nicht ihre Schuld, sondern das unausgewogene Angebot der Boutique, richtig.

Digitale Medien tragen zur „Entzauberung der Romantik“ bei, so die französische Soziologin Eva Illouz. Texte in einem, für alle gleichen Fragenkatalog, transportieren meist keine ausreichend persönliche Note, die uns tatsächlich etwas vom anderen Menschen erfahren lässt. Solche Einträge, wie auch Fotos oder Werdegang, sind online sehr einfach zu fälschen und nur schlecht überprüfbar. Aus herkömmlichen Wegen sich gegenseitig kennen zu lernen, dem sich ineinander verlieben, haben moderne Technikangebote neue generalisierte Handlungsvorgaben entwickelt. Wir versuchen den Weg zur großen Liebe in eine App zu übersetzen, deren Prototypen von manchen Nutzern fälschlicherweise mit einem Navigationsgerät für den Partnermarkt verwechselt wird. Im Grunde erinnert das Dating-Verhalten unserer Art des Shoppings. Wir wollen es nicht mehr dem Zufall überlassen, dem perfekten Partner irgendwo zu begegnen. Wir wollen eine sortierte Vorauswahl nach dem best-möglichen Match sichten. So formuliert klingt es schon etwas nach Shopping. Man will, wie im Supermarkt, das perfekte Arrangement treffen und den optimalen Partner anhand geschönter und meist nicht ganz korrekter Profildateneinträge herausfiltern. Das ist ein anspruchsvolles Ziel. Außerdem wäre es doch schade, wenn wir in Zukunft nicht nur zum buchen, bezahlen oder zur Registrierung einen Internetanschluss brauchen, sondern auch noch online gehen müssten, um eine Beziehung zu finden. Internetbörsen verhelfen Millionen von Nutzern weltweit zum Glück, was ihre Existenz absolut rechtfertigt. Dennoch sollten diese Angebote optionale Möglichkeiten bleiben und nicht den Anspruch verfolgen die Liebe per se in geregelten Bahnen zu lenken. Wir wissen, dass das nicht möglich ist. Ja. Das Internet überwindet jegliche Distanzen in Sekundenbruchteilen, vergrößert den Radius für alle Teilnehmer und erhöht eindeutig die Chancen für ernsthaft suchende Personen. Dazu muss man aber wirklich wissen was man will und danach konkret suchen.

 

Mit Liebe zusammengetragen aus:

Geo Wissen Magazin, 2016, Nr. 58 „Liebe“

 

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