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Von männlichem und weiblichem Denken

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Nicht selten werden solche Kategorisierungen humorig verpackt, was nicht immer dem Informationsgehalt solcher Bücher dienlich ist. Dass Männer und Frauen unterschiedliche geschlechtsspezifische Vorlieben teilen, ist längst bewiesen und auf differente neuronale Denkstrukturen zurückzuführen. Männer und Frauen denken grundsätzlich verschieden. Dabei gibt es kein Besser oder Schlechter, sondern nur ein Anders. Der Professor für Psychologie und Psychiatrie am Trinity College der Cambridge University, Simon Baron-Cohen, erforscht seit mehr als drei Jahrzehnten die Auswirkungen unserer Geschlechterunterschiede. Genderabhängig verstehen Männer und Frauen Gesamtzusammenhänge unterschiedlich, so Baron-Cohen. Weibliche Gehirne sind eher auf eine empathische Verarbeitung programmiert, während Männergehirne sich auf „das Begreifen und den Aufbau von Systemen“ spezialisiert haben, so der Professor mit Bezug auf die kanadische Psychologin Doreen Kimura von der Universität in Western Ontario. Bereits 1987 hatte Kimura feststellen können, dass die grundsätzlichen Verhaltensunterschiede zwischen Männern und Frauen klar auf eine unterschiedliche neuronale Vernetzung zurückzuführen sind.

Kimura gelang der empirische Beweis, dass Sprache im weiblichen Verstand deutlich weiter entwickelt ist, als bei Männern. Männer sind dafür nachweislich stärker bei räumlicher Vorstellungskraft. Also haben Männer einen Systematisierungs-Überhang, der sie Systeme einfacher erfassen lässt und Frauen einen Empathie-Überhang, der ihnen sprachliche Überlegenheit gewährt. Tatsächlich haben beide Geschlechter in gewissem Maße beide Fähigkeiten. Die Frage ist immer nur, wo der individuelle Schwerpunkt im neuronalen Aufbau liegt. Immerhin gibt es viele sehr erfolgreiche Autoren und unser Land wird von einer promovierten Physikerin regiert, die mit ihrem Ehemann bedeutende Grundlagenliteratur in der Quantenchemie veröffentlichte. Ein Großteil unserer Politikerinnen sind systemisch denkende Menschen. Jeder ist also geschlechtsunabhängig in gewissem Maße fähig zur Empathie wie auch zur Systemanalyse. Es ist der individuelle Schwerpunkt, der über unsere persönlichen Stärken und Schwächen entscheidet.

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Darauf aufbauend unterschied Kimura drei verschiedene Gehirntypen. Der Empathie-Typus, auch weibliches Gehirn genannt, ist speziell darauf konzipiert Gefühlslagen anderer zu erfassen, um sich in Menschen hineinversetzen zu können. Bei diesem E-Typus ist das Einfühlungsvermögen sehr ausgeprägt. Der System-Typus kann hingegen den Aufbau von logischen Aktion-Reaktion-Mustern sehr gut nachvollziehen und denkt darum auch gern in systematischen Schemata. Die Vorliebe für logische Abfolgen wird auch klassisch als das männliche S-Typus-Gehirn getitelt. Zuletzt steht der B-Typus, für balanced brain. Wie gesagt haben wir alle von dem einen Typus mehr und von dem anderen Typus etwas weniger, was unseren individuellen Charakter definiert. Darum ist es auch möglich, von beiden Typen etwa gleich starke Ausprägungen zu besitzen.

Die Typ-Ausprägungen unseres Gehirns zeigen sich schon im Babyalter. Kleine Jungen setzen beim Spielen eher ihren Körper ein, als Mädchen. Sehr früh lässt sich Spielverhalten von Jungs als deutlich egoistischer definieren. Kleine Jungs gehen hin und nehmen sich, was sie wollen. Das Spielverhalten von Mädchen wird als empathischer betrachtet. Sie nutzen eher ihr Einfühlungsvermögen, um andere davon zu überzeugen, ihre Wünsche zu erfüllen. Jungs kämpfen lieber um diese Vormachtstellung.

Mädchen zeigen schon im Baby- und Kleinkindalter deutlich mehr Mitgefühl und Anteilnahme. Sie erfassen Trauer in ihrer Umwelt schneller und reagieren öfter selbst mit traurigen Blicken oder sogar Aufmunterungsversuchen. Generell sind Frauen auch eher dazu bereit andere zu trösten als Männer – sogar Fremde. Jungs können sich schon im Kleinkindalter deutlich mehr für systematisches Spielzeug begeistern. Alles was blinkt, laute Geräusche macht oder technische Prozesse beinhaltet, wirkt auf sie extrem faszinierend. Männer entwickeln daher öfter eine Vorliebe für Wenn-Dann-Systeme mit klar definierten Zusammenhängen. Sie haben ein konkretes Interesse an Leistungskontrolle und Prozessoptimierung, da sie es lieben, sich in Systeme hineinzudenken. All diese Trends gelten weltweit und kulturunabhängig.

Ob die erhöhte Empathie bei Frauen genetische Anlage oder erlernte Umwelt ist, sorgt in der Expertenwelt bis heute für Kontroversen. Für mich persönlich überwiegt die Anlage-Theorie, wenn auch nur leicht. Dies liegt daran, dass die Erfassungs-Studien mit 19 Monate alten Kindern durchgeführt wurden. Nach mehr als eineinhalb Jahren haben (meiner Ansicht nach) die Babys bereits die Gelegenheit gehabt, eine Prägung für E, S- oder B-Typen zu erfahren und sich unterbewusst in eine Richtung entwickelt. Dabei lässt sich allein auf Basis des Geschlechtes jedoch nichts determiniert festlegen. Bei beiden Geschlechtern gibt es Experten für systemisches Denken und für Empathie. Wenn Sie also nun merken, dass ihr Gehirngeschlecht nicht ihrem biologischen Geschlecht entspricht, ist das absolut kein Grund zur Verzweiflung. Denken Sie an erfolgreiche Mathematikerinnen, Wissenschaftlerinnen oder all die Musiker, Pädagogen und Sozialarbeiter.

Die E/S/B-Typen erklärt Ihnen nur, warum Ihre Stärken ihre Stärken sind und definieren in keinster Weise Ihre Weiblichkeit/Männlichkeit. Mehr zu männlichen Emotionen finden Sie hier. Und in der Zwischenzeit vergessen Sie bitte niemals Horst Geyers Zitat: „Das männliche Geschlecht ist ebenso wenig das klügere, wie das weibliche Geschlecht das schönere.“
In diesem Sinne…

Quelle:
Baron-Cohen, S. „Sie denken einfach anders!“ Psychology Heute compact. Beltz 2015 Heft 40, Seite 42-45.

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